Für Hufe und Pfoten
Tiergesundheit von Hund, Katze und Pferd

Hornspalt beim Pferd – das ist im Ernstfall zu tun

27. Januar 2021 | Pferd

hornspalt-pferd

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Wenn das Pferd lahmt, sollte man als Besitzer schnell handeln. Es könnten verschiedene Ursachen dahinterstecken, unter anderem ein Hornspalt im Huf. Dieser sieht oft zwar harmlos aus, kann jedoch die Gesundheit des Pferdes stark beeinträchtigen. Wie man genau einen Hornspalt beim Pferd erkennt, was man dagegen tun kann und wie man ihm bestenfalls vorbeugt, fassen wir hier zusammen.

Was ist ein Hornspalt?

Die Hufe des Pferdes bestehen aus verschiedenen Haut- und Hornschichten. Ist der verhornte Teil des Hufes an einer Seite gespalten, handelt es sich um einen Hornspalt. Oberflächliche „Windrisse“ betreffen durch die Witterung in der Regel nur die äußere Glasurschicht und sind kein Grund zur Sorge. Wird jedoch die gesamte Hornschicht gespalten, ist es wichtig, schnell zu handeln. Deshalb sollte unbedingt ein Tierarzt oder eine Tierärztin, am besten in Kooperation mit dem Schmied, kontaktiert werden, um die richtige Therapie einzuleiten. Hornspalten schränken die Stabilität der Hufe sehr ein und können je nach Schweregrad das Pferd monatelang lahmlegen. Man kann es sich wie einen Riss im Eis vorstellen, der nicht einfach wieder so zusammenwachsen kann. 

Ursachen für einen Hornspalt beim Pferd können Spannungen im Huf, Verletzungen des Kronsaums, spitze Steine oder eine unzureichende Hufpflege sein. Und je tiefer der Spalt, desto schlimmer können die Folgen sein. Denn tiefe Spalten schränken nicht nur die Durchblutung des Hufes ein, sie machen auch Bakterien ein leichtes Spiel, dort einzudringen und Infektionen zu verursachen.

Eine genaue Diagnose treffen

Da Hornspalten selbst für den Fachmann oder die Fachfrau manchmal schwer zu erkennen sind, wird ein betroffener Huf in der Regel bei Beschwerden geröntgt. So kann man die Hufe genau unter die Lupe nehmen und auch sehen, wie tief der Spalt wirklich ist. Die genaue Ursache der Spalten kann man auch oft an der Lage erkennen. Sie können nämlich an Zehenwand, Trachtenwand, Tragrand oder am Kronrand vorkommen. Handelt es sich zum Beispiel um eine Kronrandspalte, kann man auf eine Überlastung der Hornwände in diesem Bereich schließen. Diese wird in der Regel durch eine nicht eingehaltene Hufpflege, Fehlstellungen der Gliedmaße oder eine falsche Hufbearbeitung verursacht. Die Hornschicht steht unter Spannung, wodurch die Beweglichkeit eingeschränkt wird und es kann im weiteren Verlauf zu Fehlstellungen kommen. Spalten in der Zehenwand können zum Beispiel durch zu lange Trachten oder untergeschobene Trachten am Huf entstehen. Diese lassen sich aber zum Glück oftmals schon mit einer Verbesserung der Hufstellung stabilisieren. Neben der falschen Hufbearbeitung können jedoch auch Verletzungen, wie der Tritt auf einen Stein oder einen spitzen Untergrund, einen Hornspalt verursachen. 

So wird ein Hornspalt professionell behandelt

Nachdem der Hornspalt als solcher identifiziert wurde und durch das Röntgen auch feststeht, wie tief der Spalt ist, sollte dieser saniert werden. Das bedeutet, er wird ausgeschnitten oder ausgefräst, bis wieder stabiles Horn oder die Huflederhaut erkennbar sind. Durch die Sanierung kann man das ganze Maß des Hornspalts erst einsehen und auch sichergehen, dass sich noch keine Infektion durch eingedrungene Bakterien gebildet hat. Auch das Blut des Pferdes kann untersucht werden, um Mangelzustände wichtiger Spurenelemente auszuschließen, die sich auf die Qualität des Horns auswirken können. Zuletzt wird der Spalt vom Hufschmied stabilisiert und entlastet, damit der Defekt herauswachsen kann. Das geht mit verschiedenen Methoden, zum Beispiel mit einem orthopädischen Beschlag oder, indem die Spalte mit Silikon aufgefüllt und mit Drähten und Bändern fixiert wird. Oftmals wird aber auch geraten, das Pferd Barhuf laufen zu lassen, also ohne zusätzlichen Beschlag. So kann der Huf gesund nachwachsen und Fehlstellungen vermieden werden. Lassen Sie sich hier von Ihrem Tierarzt bzw. Ihrer Tierärztin sowie dem Hufschmied genau beraten

Den Heilungsprozess unterstützen

Damit das Horn gesund nachwachsen und das Pferd wieder beschwerdefrei leben kann, ist vor allem eines gefragt: Geduld. Denn es kann schon mal mehrere Monate dauern, bis der Hornspalt geschlossen wird, da Horn monatlich nur etwa sechs bis neun Millimeter nachwächst. So können Sie den Heilungsprozess jedoch unterstützen: 

  • Regelmäßige Kontrolle durch Hufexperten: Wichtig ist, die Entwicklung des Hornspalts regelmäßig kontrollieren zu lassen und den Huf zu korrigieren. So können vor allem Fehlstellungen verhindert werden.
  • Das Pferd schonen: In dieser Zeit sollte das Pferd nicht geritten werden und sich auch nicht frei bewegen. Denn sonst kann sich der Hornspalt nicht erholen und sogar noch verschlimmert werden, wenn Bakterien eindringen oder Fehlstellungen begünstigt werden. 
  • Nahrungsergänzungsmittel: In Absprache mit dem Tierarzt oder der Tierärztin können dem Pferd auch Futterzusätze verabreicht werden. Besonders Zink, Biotin, Jod, Kupfer und Methionin können die Hornqualität verbessern. 

Einem Hornspalt beim Pferd vorbeugen

Ein Hornspalt kann durch ganz verschiedene Faktoren verursacht werden. Oftmals ist sprödes Horn genetisch bedingt und neigt dadurch eher zu einer Spaltung. Auch das Alter, die Rasse oder Vorerkrankungen können eine Rolle spielen. Durch ein paar wichtige Maßnahmen kann einem Hornspalt beim Pferd jedoch auch vorgebeugt werden:

  • Die Hufen bei Trockenheit feucht halten: Das Horn ist empfindlich, wenn es um äußere Einflüsse wie Nässe und Sonne geht. Ist die Feuchtigkeit zu hoch, nimmt die Zugfestigkeit ab. Bekommt die Hufe jedoch zu wenig Feuchtigkeit, kann sie austrocknen und das Horn wird spröde und rissig. Daher ist es wichtig, sich dabei möglichst im Gleichgewicht zu befinden. Wenn es länger nicht geregnet hat, könnten beispielsweise Hufverbände oder sogenannte „Waterboots“, welche sich mit Wasser vollsaugen, Abhilfe schaffen. Auch ein regelmäßiges „Wässern“ der Hufe mit dem Wasserschlauch, z. B. nach oder vor dem Reiten, kann hilfreich sein.
  • Haltung und Pflege des Pferdes: Man sollte die Hufe der Pferde nicht nur regelmäßig fachgerecht kürzen und beschlagen lassen, sondern auch bei der Haltung ein paar Maßnahmen beachten. Dazu gehört zum Beispiel die Hygiene des Stalls, damit das Pferd nicht etwa den ganzen Tag in Kot und Urin steht. Auch beim Reiten sollte man auf die Hufen achten und spitze Untergründe wie Steine vermeiden. Um das Horn äußerlich zu pflegen, kann zum Beispiel Öl oder Huffett eingesetzt werden, damit die Oberfläche schön geschmeidig bleibt.
  • Futterzusätze: Nicht nur zur Unterstützung der Heilung eines Hornspalts, sondern auch zur Vorbeugung können Nahrungsergänzungsmittel im Futter eingesetzt werden. Diese wirken sich positiv auf die Beschaffenheit des Horns aus und können so die Hufgesundheit beeinflussen.

Wichtig ist bei allen Maßnahmen, immer den Rat des Tierarztes bzw. der Tierärztin und auch den des Hufschmieds einzuholen. So steht einem beschwerdefreien Leben des Lieblings nichts mehr im Weg.

Weitere interessante Beiträge
Wurmkuren beim Pferd – so geht’s richtig

Wurmkuren beim Pferd – so geht’s richtig

Prävention ist das A und O Bei kaum einem anderen Thema halten sich so viele Irrtümer unter den Pferdehaltern, wie zur Entwurmung beim Pferd. Wie oft sollte eine Wurmkur durchgeführt werden? Welche Wirkstoffe sind die richtigen? Woran genau kann ich einen Wurmbefall...

mehr lesen
Weitere interessante Beiträge
Wurmkuren beim Pferd – so geht’s richtig

Wurmkuren beim Pferd – so geht’s richtig

Prävention ist das A und O Bei kaum einem anderen Thema halten sich so viele Irrtümer unter den Pferdehaltern, wie zur Entwurmung beim Pferd. Wie oft sollte eine Wurmkur durchgeführt werden? Welche Wirkstoffe sind die richtigen? Woran genau kann ich einen Wurmbefall...

mehr lesen